Radiologie, Französisch und Alpen? – Famulatur in der französischen Schweiz

Für uns als Student*innen sind praktische Erfahrungen im Ausland eine große Bereicherung. Wie schon in einem unserer früheren Beiträge behandelt, bieten die Praktika (d.h. Pflegepraktikum, Famulatur und PJ-Tertiale) hierfür eine hervorragende Gelegenheit. So habt Ihr die Chance verschiedene Kulturen kennenzulernen, an Euren Sprachkenntnissen zu arbeiten und die Arbeit als Mediziner in anderen Ländern zu erleben. Und ihr kommt auch einfach mal aus der eigenen Stadt raus!

In diesem Post behandle ich meine erste Famulatur, die ich in der Radiologie des Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV) in Lausanne absolviert habe. Ich werde über meinen Arbeitsalltag sprechen und Euch meine Tips für eine solche Auslandsfamulatur erläutern. Ich freue mich über Euer Feedback! Erzählt gerne von Euren Auslandserfahrungen in den Kommentaren.

Bewerbung

Der Bewerbungsprozess war sehr einfach. Etwa 6 Monate vor Beginn habe ich mich an die Sekretärin des Professors der Abteilung per Email gewandt. Ich habe erklärt, weshalb ich gerne in der Abteilung und spezifisch an dieser Klinik famulieren wollte. Auf diese Email habe ich innerhalb eines Tages eine erste positive Rückmeldung erhalten. Daraufhin war ich im Kontakt mit der Personalabteilung, mit der ich dann Themen wie Impfungen und Vertrag abgestimmt habe. Famulaturen in der Schweiz werden außerdem meistens bezahlt (beim CHUV sind es rund 800 Franken). Soweit möglich solltet Ihr Eure Famulatur in der ersten Woche eines Monats anfangen. So beginnt Ihr nämlich Euren ersten Tag gleichzeitig mit anderen Studenten (hauptsächlich dem Äquivalent zu PJlern, die allerdings monatlich rotieren) und werdet so mit diesen eingearbeitet.

Arbeit in der Radiologie

Ich war zwei Wochen in der interventionellen Radiologie und jeweils eine Woche für einen Arbeitsplatz im Ultraschall und am CT-Thorax eingeteilt. Im Rahmen eines solchen einmonatigen Praktikums verbringen die meisten Studenten ein bis zwei Wochen in einer Abteilung (die weiteren Abteilungen wären Notaufnahme, MRT, Body-CT, Mammadiagnostik, Röntgen und Kinderradiologie). Die Wahl dieser Rotationen könnt Ihr im Vorhinein mit den Verantwortlichen (d.h. den Professoren in jeder Abteilung) absprechen oder auch spontan wenn Ihr vor Ort seid. Hierfür ist es sinnvoll klar zu stellen, wo die anderen Studenten zu dem Zeitpunkt rotieren, da man sich sonst möglicherweise “auf die Füße tritt”. 

Mein Arbeitstag fing um 7:40 mit einer ,,Colloque“ (Besprechung) an. Hier wurden verschiedene Themen in Form von Präsentationen von Assistenzärzt*innen erläutert. Es wurden hier auch interessante und untypische Fälle vom Vortag oder der Nacht gemeinsam besprochen. Wenn Ihr Lust habt, dürft Ihr als Student*in auch eine Präsentation über ein Thema Eurer Wahl halten. Ich habe beispielsweise eine Präsentation über Sarkoidose im Rahmen von COVID-19 gehalten. 

Meinen Vormittag habe ich am Arbeitsplatz verbracht – hier wurden je nachdem wo ich war Patienten untersucht, Befunde diktiert oder Eingriffe durchgeführt. 

Auf dem Weg zur Arbeit – das CHUV

Meine drei Rotationen

1. Am CT-Thorax Platz hatte ich die Möglichkeit Befunde zu diktieren. Diese werden selbstverständlich nochmal mit Assistenzärzt*innen oder Oberärzt*innen besprochen. Zu Beginn fällt es einem schwer überhaupt Dinge in den Bildern zu erkennen und ja zu beschreiben – bei mir hat das Schreiben meines ersten Befundes einen halben Tag gedauert. Mit der Zeit und dem Feedback der Ärzt*in habe ich an Vertrauen gewonnen und konnte dann sogar den Ärzt*innen etwas Arbeit abnehmen.

2. Am Ultraschall Platz habe ich viel selber schallen dürfen und die Ergebnisse mit den Ärztinnen besprechen können. Zum Ende dieser Woche durfte ich zum Beispiel auch Verlaufskontrollen nach OPs selbstständig befunden, bevor ich diese den Oberärzt*innen vorgestellt habe. Spannend an diesem Arbeitsplatz fand ich die Arbeit mit Säuglingen und Kindern, die häufig aus urologischen Gründen in die Radiologie zur Untersuchung geschickt werden.

3. Die Interventionelle Radiologie ist meiner Meinung nach ein sehr spannendes Fach von dem ich jedenfalls sehr wenig während meines Studiums mitbekommen habe. Hierbei handelt es sich um den therapeutischen Teil der Radiologie. Ich durfte bei verschiedenen Eingriffen am ,,Tisch“ assistieren. Z.B. transarteriellen Chemoembolisationen von Leberkrebs, TIPPS-Einlagen oder auch kleineren Eingriffen wie das Legen von Aszitesdrainagen assistieren. Während dieser Eingriffe bin ich regelmäßig ins Schwitzen gekommen – Bleischürze, Helm, Headset, OP-Schürze! Ich war während dieser Rotation auch in der Ambulanz, wo die Eingriffe geplant wurden.

Zu Beginn fand ich es sehr hilfreich den Ärzt*innen über die Schulter zu schauen, um ein Grundverständnis über die Arbeit zu gewinnen. Es ist aber übrigens so, dass die Mitarbeiter und Ärzte grundsätzlich immer bereit sind einem Dinge zu erklären. Um die Mittagszeit finden typischerweise viele Besprechungen mit den anderen Abteilungen des Hauses statt.

Nachmittags finden dann ,,Colloques“ der anderen Fachrichtungen statt, an denen man auch teilnehmen darf. Insbesondere wenn man in der Radiologie ist, kann man sich beispielsweise zu den Onkologen oder Chirurgen in die Besprechungen setzen. So konnte ich mir viele Fälle und Fachrichtungen anschauen und einen guten Überblick gewinnen, was jede dieser Fachrichtungen konkret macht. Wenn ihr Lust habt, spontan verschiedene Dinge zu sehen, würde ich euch raten, mit den Verantwortlichen (meist die Medecins cadres/Chefs de clinique) in Kontakt zu treten. Entweder nach der Colloque morgens auf sie zugehen oder per E Mail. So hatte ich zum Beispiel, die Möglichkeit zwei Tage in die Notaufnahme zu rotieren oder einen Vormittag in einem Forschungslabor mit PhD Studenten zu verbringen.

Unterkunft 

Eine Unterkunft zu organisieren war von Deutschland aus nicht leicht. Das CHUV stellt Angestellten Studios zur Verfügung. Diese sind allerdings meist für längere Aufenthalte gedacht. Nachfragen lohnt sich, da diese sehr preiswert sind. Bei mir waren zu der Zeit keine Studios mehr frei. Alternativ gibt es eine große Facebook Gruppe in der man Zimmer/Wohnungen finden kann. Diese sind oft den schweizer Preisen entsprechend und daher sehr teuer. 

Freizeit

Und jetzt weg von der Arbeit. Lausanne ist eine wunderschöne Stadt in einer super Lage, am Genfer See, eine Stunde von Genf und von den Alpen umgeben. Ich war im August dort und war nach der Famulatur oder am Wochenende oft am See. Den Strand in Pully und den Parc Mon-Repos kann ich sehr empfehlen. Mir haben das Musée des Beaux-Arts und die Fondation Hermitage zum einen Aufgrund ihrer Lage und Architektur, aber auch wegen der schweizer zeitgenössischen Werke sehr gut gefallen. Für die Sportfans ist Lausanne als olympische Hauptstadt von besonders großem Interesse. Häufiger habe ich mich mit Student*innen und Assistenzärzt*innen an der Jetée de la Compagnie (ein Steg am See) getroffen, um etwas zu essen oder zu trinken. 

Park der Fondation Hermitage
Jetée de la Compagnie

Fazit

Diese einmonatige Erfahrung wird mir immer in Erinnerung bleiben und war eine super Möglichkeit in ein anderes Land zu reisen und das Gesundheitswesen dort zu beobachten. Eine Famulatur in der Radiologie würde ich jedem raten, da diese für alle Fachbereiche von großer Relevanz ist. Im Vergleich zu einer Famulatur in Deutschland, durfte ich hier relativ wenig praktische Arbeit machen (im Wesentlichen zB das Legen von Braunülen oder Blutentnahmen umfasst). Meiner Meinung nach war dies aber nicht unbedingt von Nachteil, da ich so noch besser den Alltag der Assistenzärzt*innen mitbekommen habe.

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