Führt KI in die Utopie oder Apokalypse? – Buchvorstellung „Life 3.0“ von Max Tegmark

(Unbezahlte Werbung) „Life 3.0“ ist ein populärwissenschaftliche Buch des schwedischen MIT-Physikprofessor Max Tegmark welches erstmals im Jahr 2017 bei Penguin Random House erschien. Tegmark beschäftigt sich in dem Buch unter anderem mit den Grundprinzipien von Intelligenz und illustriert ferner mögliche Zukunftsszenarien hinsichtlich der Rolle die KI (= künstliche Intelligenz) in der Weltgeschichte spielen könnte.

Das Buch beginnt mit einer Dystopie in der eine „superhuman-AI“ (= Artificial Intelligence) in kürzester Zeit die Weltherrschaft übernimmt. Nach dieser Einführung stellt Professor Tegmark sogleich klar wie wichtig es ist, dass die Menschheit selbst die Entscheidung darüber trifft welche Form der künstlichen Intelligenz sich letztendlich durchsetzen soll. Denn diese bahnbrechende technologische Entwicklung muss seiner Ansicht nach nicht zwangsweise in dem eingangs geschilderten völligen Kontrollverlust enden. Der Titel „Life 3.0“ bezeichnet dabei die technologische Ära intelligenten Lebens auf der Erde. Laut Tegmark besitzt KI das Potenzial irgendwann im Rahmen von Life 3.0 die eigene „Software“ und „Hardware“ zu verändern. Sprich, KI würde in der Lage sein komplexe Dinge zu erlernen und außerdem zusätzlich die eigene Körpermaterie umzustrukturieren. Die Spezies Homo sapiens kann bisher lediglich die eigene „Software“ verbessern, nicht jedoch die „Hardware“. Abgesehen von Prothesen und einer Reihe von Implantaten ist eine umfassende Veränderung des menschlichen Körpers bekanntlich (noch) unmöglich.

Doch bis zu der Entwicklung einer „Artificial General Intelligence“ (AGI) ist es noch ein weiter Weg. Tegmark hält es für wahrscheinlich, dass wir dank intelligenter neuronaler Netzwerke zunächst umfassende Fortschritte in den Gebieten Energieversorgung, Finanzmärkte, Operationsroboter und autonomen Fahren sehen werden. Dagegen ist es in der nächsten Zeit noch nicht absehbar, dass sich eine ganzheitlich dem Menschen überlegene KI verselbstständigt. Zudem weißt er auf die Gefahr von autonomen Waffen hin, die bekanntlich schon in Form von Drohnen existieren. Auch auf diesem Gebiet wird es in der Zukunft durch KI zu weiteren technologischen „Verbesserungen“ kommen – mit ungeahnten Folgen für die Menschheit. Aus diesem Grund plädierten in der Vergangenheit bereits viele Wissenschaftler für ein internationales Verbot bestimmter autonomer Waffensysteme. Zu den prominentesten Unterstützern einer Kampagne zur Verhinderung des globalen Wettrüstens mit AI-Militärmaschinen gehören Stephen Hawking, Elon Musk und Noam Chomsky. 1

Im weiteren Verlauf des Buches taucht der Leser vollends in Science-Fiction ein. Der Autor beschreibt eine Reihe theoretischer Szenarien für der Menschheit nach dem Auftreten einer Superintelligenz. Dabei gibt es eine Vielzahl glücklicher Ausgänge wie beispielsweise im Falle einer „friendly AI“ mit der eine friedliche Koexistenz und Zusammenarbeit möglich ist. Jedoch sind die weniger erfreulichen Szenarien ebenso zahlreich und reichen beispielsweise von einer Infantilisierung der Menschen unter der völligen Kontrolle einer „Zookeeper-AI“ bis hin zur Unterwerfung durch eine „Conqueror-AI“. Tegmark weist zum Ende seiner Ausführungen treffend darauf hin, dass uns Menschen in Zeiten von Atombomben und Klimawandel bereits mehr als genug Wege zum Untergang offen stehen, ganz ohne Künstlicher Intelligenz mit apokalyptischen Absichten.

Jedoch damit nicht genug: in einem anderen Kapitel beschäftigt sich der MIT-Professor mit der Frage was Intelligenz eigentlich bedeutet sowie deren Entwicklung über die Jahrmillionen. Die Fähigkeit komplexe Ziele zu erreichen dient ihm dabei als Definition der Intelligenz. Zum Schluss werden noch einige ethischen Aspekte rund um das Thema des adäquaten Umgangs mit KI beleuchtet. Unter anderem stellt der Autor die Überlegungen an, ob künstliche Intelligenz dazu befähigt ist Gefühle zu empfinden und ob ihr in diesem Falle entsprechend Rechte ähnlich dem Menschen zugesprochen werden sollten. Dabei bezieht Tegmark auch den Aspekt der potenziellen Bewusstseinsempfindung eines neuronalen Netzes in die Diskussion mit ein. Er regt den Leser dadurch an die eigenen Ansichten hinsichtlich der Unterschiede zwischen Mensch und intelligenter Maschine zu hinterfragen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Gegensätze eventuell garnicht so groß sind…

Das Buch “Life 3.0“ ist durchaus zu empfehlen für jemanden der nach einer Einstiegslektüre zum Thema künstliche Intelligenz sucht. Anstatt der rohen mathematischen Grundlagen sind darin mehr die zukünftigen technologischen, gesellschaftlichen und ethischen Auswirkungen sowie historische Aspekte von Interesse.

Quellen:
1 Wikipedia contributors, „Military robot,“ Wikipedia, The Free Encyclopedia,https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Military_robot&oldid=992059758 (accessed December 30, 2020)
Bild: privat

Mattes Groß

Mattes ist Medizinstudent in München.

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