Meine Top 5 Learnings der 3. Münchner Digital Health Summit 2020

Vom 25.-27. November fand in München der Digital Health Summit 2020 statt. Aufgrund der Corona Pandemie war es möglich die Veranstaltung online zu verfolgen. Gespannt habe ich die Livestreams vor dem Laptop verfolgt und möchte hier meine Top Learnings mit euch teilen. Natürlich konnte ich nicht jeden Keynote/ Panel/ Pitch verfolgen, sodass die folgenden Punkte nur einen Auszug darstellen können.

  1. Warum das Ganze?

Manch einer fragt sich vielleicht, wo die Digitalisierung der Medizin hinführen soll, ob sie das Gesundheitssystem nicht unpersönlicher macht. Die eindrückliche Antwort darauf liefert Prof. Dr. Heyo Kroemer, Chief Executive Officer der Charité. Mit Blick auf den demographischen Wandel, findet er es gerechtfertigt zu fragen, wie es in den nächsten Jahren noch genug Mitarbeiter in der universitären Gesundheitsversorgung geben könne.

„Wir werden in ein massives Problem in den nächsten Jahren hinein kommen. Hier spielt die Digitalisierung meines Erachtens eine entscheidende Rolle mit dem Narrativ, dass wir alles, das nicht von Menschen an Menschen gemacht wird, digitalisieren müssen in den Universitätskliniken. Nicht deswegen um Arbeitsplätze abzubauen, sondern um am Ende des Tages mehr Menschen zu haben, die an Menschen arbeiten können.“, stellt er fest.

2. Networking ist alles

Schon vor dem Beginn des Events war es möglich einem Slack Channel beizutreten, sobald man sich für das Event angemeldet hatte. So entstand ein über 1100 Menschen starkes Netzwerk aus Digital Health Interessierten. Besonders überrascht hat mich die Heterogenität der Teilnehmer. Von Investoren, Studenten und Ärzten bis hin zu Juristen, Informatikern und Ökonomen war alles dabei. Gerade das hat den Austausch in der Gruppe so spannend gemacht und macht deutlich, dass die Digitalisierung des Gesundheitssystems nur interdisziplinär vorangetrieben werden kann.

  1. Startups, Startups, Startups

Laut dem Bundesverband Deutsche Startups befassen sich 9,2% aller Startups 2020 mit dem Gesundheitswesen. Damit stellt dieses nach Informations- / Kommunikationstechnologie und Ernährung /Konsumgüter die drittstärkste Gruppe. So wurden auf dem Event zahlreiche spannende Startups vorgestellt. Es ging um die frühzeitige Erkennung von Osteoporose, portable Mikroskope zur Aufzeichnung von Operationen und digitales Krankenhausmanagement. Den Preis für den besten Pitch hat schließlich das Startup Lungpass gewonnen. Dieses handliche, rundliche Gerät hört ähnliche wie ein Stethoskop Lungengeräusche ab und zeigt mithilfe von künstlicher Intelligenz Abnormalitäten direkt an. Damit sollen beispielsweise Pneumonien oder Exazerbationen bei COPD Patienten frühzeitig erkannt werden.

Bundesverband Deutsche Startups. (29. September, 2020). Verteilung von Startups in Deutschland nach Branchen laut DSM* im Jahr 2020 [Graph]. In Statista. Zugriff am 04. Dezember 2020, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/586325/umfrage/verteilung-von-startups-in-deutschland-nach-branchen/
  1. Das Gesundheitssystem ist ein spezielles Fach

Oftmals wurde betont, dass das Gesundheitssystem in seiner Charakteristik einzigartig ist. Besonders wichtig scheint Vertrauen zu sein. Für Prof. Dr. Martin Hirsch (Ada Health) ist ein KI-System, das nicht nachvollziehbar macht, warum man auf ihm vertrauen soll, in der Praxis zum Scheitern verurteilt. Auch ein minimum viable product (MVP), also ein noch nicht fertiges Produkt, das aber schon einen Mehrwert bieten kann, zu veröffentlichen, ist im Gesundheitswesen nicht sinnvoll, weil hiermit Vertrauen verspielt werden könne. Viel wichtiger sei es, genau zuzuhören, was Ärzte, Krankenpfleger etc. brauchen und auch anwenden möchten. Für Dr. Roman Hipp (Senior partner at Porsche Consulting) ist die Lösung dafür, integrierte Lösungen anzubieten, die die Anwendung im Klinikalltag erleichtere.

  1. Wir haben den Anschluss verloren

Immer wieder war davon die Rede, dass deutsche und europäische Wissenschaftler in der Entwicklung von künstlicher Intelligenz und Robotik mit asiatischen und amerikanischen Lösungen nicht mehr mithalten können. Dies bestätigt der folgende Report des Center for Data Innovation, der die drei Regionen miteinander vergleicht. Dabei wird China mehr Chancen eingeräumt die USA von der Spitze zu verdrängen, als dass Europa aufschließen kann1. Daraus folgert Dr. Alexander König (Reactive Robotics) , dass sich deutsche Entwickler in der Robotik besonders auf die Sensorik konzentrieren sollten, die dann automatisch Daten sammeln könnten. Tobias Krick ( Co-Founder von Healthcare Innvations) hat noch eine andere Antwort. Digitale Lösungen würden jetzt vor allem in der Pflege benötigt. Hier könne man aktuell mit viel einfacheren Ansätzen einen großen Mehrwert schaffen.

1: https://datainnovation.org/2019/08/who-is-winning-the-ai-race-china-the-eu-or-the-united-states/ (05.12.2020)

Beitragsbild: https://www.digitalhealthsummit.de

Benedikt Kieslich

Benedikt ist Medizinstudent im 9. Semester in Göttingen und Gasthörer im Medizin-Ingenieurwesen. In seiner Doktorarbeit setzt er sich mithilfe des real-Time-MRTs mit den Auswirkungen von Orthesen auf das Sprunggelenk auseinander. E-Mail: Benedikt@medizin-von-morgen.de LinkedIN: https://www.linkedin.com/in/benedikt-kieslich

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