Universitätsbibliothek

Masterstudium für Ärzte nach Medizinstudium: Digital Health, Public Health, Ethik

In diesem Blogpost wollen wir Euch Möglichkeiten für Ärzt*innen im deutschsprachigen Raum aufzuzeigen, sich im Rahmen eines Masterstudiums fortzubilden. Egal ob berufsbegleitend oder Vollzeit, wir stellen Studiengänge verschiedener Fachrichtungen vor. Für jeden Studiengang nennen wir beispielhafte Universitäten, an denen man das jeweilige Fach belegen kann. Da wir diese Liste regelmäßig aktualisieren, lohnt es sich, einen Bookmark zu setzen und regelmäßig vorbeizuschauen. Ebenfalls empfehlen wir, unseren Newsletter zu abonnieren oder unsere Social Media Kanäle zu liken. Außerdem freuen wir uns über Hinweise über Studiengänge per Mail an simon@medizin-von-morgen.de

Warum nach dem Medizinstudium einen konsekutiven Masterstudiengang studieren?

Gesundheit ist vielschichtig und komplex. Von den vorklinischen, naturwissenschaftlichen Grundlagen der Medizin bis hin zu den konkreten klinischen Anwendungen mit dem Ziel, Patienten zu helfen, existiert eine enorme Bandbreite an Fachrichtungen.

Dabei liegt natürlich der Fokus im Medizinstudium auf den anwendungsbezogenen klinischen Fachdisziplinen. So wird beispielsweise leitlinienbasiertes Wissen vermittelt, wie ein Patient mit einem Herzinfarkt diagnostiziert und behandelt wird, was natürlich zielgerichtet auf die ärztliche Tätigkeit vorbereitet.

Allerdings besteht die ärztliche Tätigkeit zu einem erheblichen Teil auch aus nicht-medizinischen Anteilen. Als ein Beispiel sei hier der niedergelassene Facharzt, zum Beispiel ein Orthopäde, genannt. Dieser ist für seine eigene Praxis unternehmerisch verantwortlich, zahlt Miete, kauft Geräte, führt sein Praxisteam… die dafür erforderlichen Management- und Buchhaltungs-Kenntnisse werden aber in der Tiefe nicht im Medizinstudium vermittelt.

Als anderes Beispiel stellen wir uns eine Hausärztin vor. Ihre Patienten interessieren sich für Gesundheitsapps auf ihrem Smartphone und möchten ihre ärztliche Einschätzung wissen, welche Vorteile und Risiken daraus erwachsen oder ob sich die Anschaffung der Apple Watch zu EKG-Monitoring-Zwecken lohnt. Um diese Frage zu beantworten, muss sich die Hausärztin mit den Grundzügen der Technik hinter den Apps auskennen, Potenziale und Grenzen der Technologien bewerten und den Datenschutz beurteilen können. Auch die dafür erforderlichen Kenntnisse muss sich die Ärztin selbst aneignen.

Zwei Beispiele, die zeigen, dass die ärztliche Tätigkeit auch BWL- und IT-Kenntnisse erfordert. Für Absolvent/innen der Medizin, die Lust haben sich tiefer mit diesen Themen zu beschäftigen, besteht die Möglichkeit eines konsekutiven Masterstudiengangs.

Vollzeitstudium in Präsenz vs. berufsbegleitend in Teilzeit

Präsenzstudium

Ein Präsenzstudium bietet den Vorteil, dass man sich komplett auf seine akademische Ausbildung konzentrieren kann. So kann man leichter in der typischen Regelstudienzeit von 4 Semestern einen Abschluss erlangen. Allerdings erfordert das Präsenzstudium eine Wohnsitznahme am Studienort. Außerdem stellt sich die Frage, wie man sein Studium finanziert, da ein Vollzeitstudium natürlich wenig Zeit für einen Nebenjob lässt. Zum Thema Studienfinanzierung für Mediziner*innen wird bald auch noch ein Post von uns kommen.

Online/ berufsbegleitend

Berufsbegleitende Studiengänge bieten den Vorteil der Vereinbarkeit mit den Anforderungen des Berufstätigen. So stellt sich meist nicht die Frage nach der Studienfinanzierung. Dadurch, dass man aber nicht in Vollzeit studieren kann, verlängert sich das Studium natürlich entsprechend. Gleichzeitig ist eine gute Organisation erforderlich, um die Anforderungen des Berufs, Studiums (und natürlich Privatlebens) zu vereinbaren.

Digital Health / Medizinformatik

M. Sc. Digital Health – Hasso Plattner Institut / Universitäts Potsdam

Ein aus meiner Sicht sehr interessanter Studiengang ist der M. Sc. Digital Health an der Universität Potsdam, genauer gesagt dem Hasso-Plattner-Institut. Dieses wurde vom SAP-Gründer Hasso Plattner gestiftet und ist spezialisiert auf anwendungsbezogene IT-Forschung. Sehr spannend am Studiengang Digital Health ist, dass er sich sowohl an Informatiker*innen als auch an Mediziner*innen richtet. So kann eine interdisziplinäre Sichtweise auf Probleme des Gesundheitswesen gerichtet werden. Mehr Informationen zu Zulassungsvoraussetzungen, Studieninhalten und Berufsaussichten erfahrt ihr in unserem Beitrag speziell zu diesem Studiengang: https://medizin-von-morgen.de/2020/10/master-of-science-digital-health-am-hasso-plattner-institut-in-potsdam/.

Dauer

4 Semester

Besonderheiten

Brückenmodule in Informatik etc., um den Einstieg in den Master zu erleichtern

Lehrsprache Englisch (C1)

keine Studiengebühren

Berufsbegleitender Online-Master „Biomedizinische Informatik und Data Science“

DNA Doppelhelix, Bild von liyuanalison auf Pixabay

Dieses Masterstudium ist gerichtet an „berufstätige Absolvent(inn)en der Medizinischen Informatik, Medizinischen Dokumentation, Informatik, Bioinformatik, Medizin sowie Natur- und Lebenswissenschaften aus einem medizinnahen Umfeld“. Ziel des Studiengangs ist es, das Verständnis und Kompetenz für informatische Belange der Patientenversorgung als auch der biomedizinischen Forschung zu vermitteln.

Dauer

4 Semester

Kosten

17.900 €

Master of Health Business Administration

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Fernstudium)

Als Arzt/Ärztin etwas von Wirtschaft, Finanzen und Management verstehen – das ist das Ziel des berufsbegleitenden Masterstudiums „Health Business Administration“. Der Studiengang richtet sich an Berufstätige im Gesundheitswesen mit einer „nicht-ökonomischen Vorbildung (z.B. Ärzte, Pharmazeuten, Pflegewissenschaftler, Medizintechniker)“. Durch die interdisziplinäre Ausrichtung können auch hier spannende Perspektiven zum Austausch kommen. Eine beispielhafte Universität, um diesen Studium zu studieren, ist die FAU Erlangen-Nürnberg.

Dauer

4 Semester

Besonderheiten

Studienentgelt: insgesamt 6.000 € (einmalig) oder 6.200 € (in Raten)

Fernstudium

Epidemiologie / Public Health

M. Sc. Epidemiology – Ludwig-Maximilians-Universität München

Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Bild von Church of emacs, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International, no changes

Spätestens seit der Corona-Pandemie spielt die Epidemiologie in der öffentlichen Diskussion eine große Rolle. Epidemiolog*innen beschäftigen sich mit der Entstehung und Prävention von Krankheiten sowie Gesundheitsförderung auf Ebene der Gesellschaft. Wer Interesse an der Förderung öffentlicher Gesundheit hat, keine Angst vor dem Arbeiten mit Zahlen hat und Lust auf einen weiterführenden Studiengang hat, kann sich folgendes Programm der LMU München anschauen.

Dauer

4 Semester

Besonderheiten

Lehrsprache Englisch

Berufsbegleitender M. Sc. Public Health – FOM Hochschule

Menschenmenge auf dem Nürnberger Weihnachtsmarkt, Bild von Gerhard G. auf Pixabay

Dieser berufsbegleitende Masterstudiengang vermittelt „das wissenschaftliche Know-how, um u. a. die gesundheitliche Entwicklung der Bevölkerung zu analysieren oder die Effektivität der Gesundheitsversorgung zu verbessern“.

Dauer:

4 Semester + Thesis

Studiengebühren:

10.500 Euro, zahlbar in 30 Monatsraten à 350 Euro oder 10 vierteljährlichen Raten à 1050 Euro.

Berufsbegleitender M.A. Weiterbildender Masterstudiengang Medizinethik – Universität Mainz

Die Uniklinik in Mainz, Bild von Nixnubix, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International. no changes made

Medizin hat immer eine ethische Komponente: sei es in der alltäglichen klinischen Versorgung oder großen Fragen unseres Gesundheitssystems (man denke nur an Debatten über Impfstoffverteilung während der Covid-19-Pandemie!), die Medizinethik hat einen zentralen Stellenwert unter den medizinischen Wissenschaften. Dem trägt die Universitätsmedizin Mainz insofern Rechnung, als dass sie Mediziner*innen die Bedeutung dieser normativen Fragestellungen in der Gesundheit im Rahmen dieses Studiengangs verdeutlichen möchte. Ziel ist es, „Hintergrundwissen und Argumentationsstrategien an[zubieten], mit denen normative Konflikte im klinischen Alltag besser verstanden, abgewogen und im medizinischen Team gemeinsam mit Patienten einer Lösung zugeführt werden können“. Das Studium lässt sich als Fernstudium parallel zur beruflichen Tätigkeit absolvieren.

Dauer

min. 4 Semester

(8 Module, max 2. Module/Semester)

Studiengebühren

Modulgebühr: 1000€

Semester ohne Modulgebühr: 250€

Gebühr für Abschlussmodul 1000€

Medical Education

Master of Medical Education – Universitäten Heidelberg, Tübingen, Charité Berlin, Göttingen, LMU München, Aachen

Bild von Wokandapix auf Pixabay

Wer sich für die Verbesserung der Lehre in der Hochschulmedizin interessiert, könnte durch den Studiengang „Master of Medical Education“ profitieren. Dieser ist ein Projekt des Fakultätentages und wir von den genannten Universitäten gemeinschaftlich angeboten, unter Federführung der Uni Heidelberg.

Der Studiengang richtet sich an im Gesundheitswesen tätige Dozent:innen, die zusätzliche Kompetenzen im Lehrbereich erlangen wollen und sich der Vermittlung medizinischer Inhalte auf wissenschaftlicher Ebene nähern wollen. Spannend ist, dass die Lehrinhalte innerhalb von 8 Modulen vermittelt werden, die i.d.R. je 1 Woche dauern und ausgewählten Fakultäten stattfinden, teilweise auch im Ausland. So kann man vielfältige Einblicke erhalten.

Das Studium wird mit einer Master-Thesis abgeschlossen und einem Praxisprojekt (Evaluation eines Lehrkonzeptes an einem teilnehmendem Klinikum).

Dauer

4 Semester (18 Monate + 6 Monate Master-Thesis)

Kosten

5.000€ / Semester

Lehrsprache überwiegend Deutsch, an ausländischen Fakultäten teilweise Englisch

Wir hoffen, Euch mit dieser Aufstellung einen Eindruck von den Möglichkeiten vermittelt zu haben, sich als Arzt/Ärztin nach Approbation im Rahmen eines Medizinstudiums weiterbilden zu können. Ob ein Masterstudium das richtige für einen selbst ist, ist natürlich eine individuelle Entscheidung und abhängig von vielen Faktoren. Wie sieht es bei euch aus? Könnt ihr euch vorstellen einen Master nach dem Medizinstudium zu absolvieren bzw. habt ihr das gemacht? Wir freuen uns auf eure Erfahrungen in den Kommentaren!

Simon Rösel

Simon studiert Medizin in Göttingen und interessiert sich besonders für Innere Medizin, Bildgebung und Digital Health. E-Mail: simon@medizin-von-morgen.de

Alle Beiträge ansehen von Simon Rösel →

2 Gedanken zu “Masterstudium für Ärzte nach Medizinstudium: Digital Health, Public Health, Ethik

  1. Ein sehr spannender Beitrag! Ich persönlich würde es auch sehr interessant finden, welche ausländische Universitäten ähnliche Masterstudiengänge als Fernstudium für Ärzte anbieten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.