Master of Science: Digital Health Studium am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam

Ich hatte das Glück ein Interview mit dem Studiengangsbeauftragten Prof. Dr. Arnrich über den Masterstudiengang Digital Health in Potsdam am Hasso-Plattner-Institut zu führen. Er erzählt darin von der Interdisziplinarität, den Voraussetzungen, die Zusammensetzung des Studienganges, den Berufsaussichten und warum die 2 Jahre sich auszahlen werden.

Der Studiengang Digital Health ist in dieser Form in Deutschland einzigartig : Worum geht es/ welche Idee steckt dahinter?

Das Besondere an dem Studiengang ist die Interdisziplinarität. Das sieht man sehr schön daran, dass wir sowohl Leute mit einer medizinischen als auch mit einer informatischen Grundausbildung im Studiengang haben. Wir schauen bei Menschen mit einer medizinischen Vorausbildung darauf, dass die Bewerber IT-Kenntnisse mitbringen, da es bei Digital Health eben auch viel um das Digitale geht und Programmierkenntnisse nicht schaden, um den Studiengang hier zu absolvieren. Auch bei der Masterarbeit ist es uns wichtig, dass ein interdisziplinäres Thema bearbeitet wird, wo Informatiker und Mediziner zusammenarbeiten über einen Zeitraum von einem halben Jahr. Damit dies auch funktioniert, gibt es hier Brückenkurse, wo die ITler Grundverständnis von der Medizin gewinnen und die Mediziner lernen, wie man programmiert und was Data Science ist.

Können sich auch Medizintechnikstudenten bewerben?

Wenn Leute kommen, die Kenntnisse aus beiden Welten mitbringen, ist das perfekt. Das macht den Einstieg hier viel leichter, als für jemanden der bisher nur wenig Berührungspunkte mit der jeweils anderen Disziplin hat.

Wie genau muss die Vorbildung für Mediziner aussehen? Sind Modulzertifikate verpflichtend oder sind auch andere Zertifikate beispielsweise durch online Anwendungen möglich?

Uns ist natürlich lieber, wenn man ein Zertifikat vorweisen kann weil wir auswählen müssen wer angenommen werden kann. Dafür ist ein Nachweis von Kenntnissen wichtig, im besten Fall von einer Universität. Natürlich gibt es heute weltweit auch viele andere Lehrangebote, dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass man wirklich inhaltlich etwas lernt. Es gibt sehr viele Kurse, die etwas oberflächlich bleiben und die nicht dazu befähigen, in einem interdisziplinären Team mitarbeiten zu können. Wir tun das deshalb, damit die Leute hier keine schwere Zeit haben, sondern erfolgreich Projekte bearbeiten können. Dafür ist es wichtig diese Kenntnisse mitzubringen.

In meinem Medizintechnikstudium ist es so, dass in den ersten Informatikmodulen C++ gelehrt wurde, aber keine anderen Programmiersprachen. Wäre das ausreichend?

Ich sage immer, wenn man einmal eine Programmiersprache gelernt hat, ist es nicht so schwer auf eine andere umzusteigen. Natürlich hat jede Sprache ihren eigenen „Dialekt“, ihre eigene Syntax und man muss sich umgewöhnen, aber wenn man einmal gelernt hat, was Programmieren eigentlich ist, hat man schon einen riesigen Schritt in die richtige Richtung getan.

Sie haben erwähnt, dass Sie sehr viele Bewerber haben und die Studenten auswählen. Worauf achten sie dabei besonders?

Wir achten hauptsächlich auf die Zugangsvoraussetzungen. Wir stellen fest, dass viele Bewerber nicht die Voraussetzungen erfüllen. Das mag daran liegen, dass es sich hierbei um einen englischsprachigen Studiengang handelt und viele Bewerber aus dem Ausland kommen, die die Voraussetzungen eben nicht erfüllen. Deswegen stehen die Chancen bei Erfüllen der Voraussetzungen gar nicht so schlecht.

Worauf achten sie bei den persönlichen Voraussetzungen?

Wir dürfen nicht auf persönliche Voraussetzungen achten aufgrund der Studienordnung. Aus dem Erfahrungsschatz: Wir sprechen vorher oft mit Bewerbern, die uns anrufen. Einige sind dabei, die sich das als Abendkurs vorstellen, weil sie Digital Health interessant finden. Jedoch ist es auf einen Vollzeitstudiengang ausgerichtet und man in der Regel auch hier am Campus ist, um die Projekte zu bearbeiten.

Ist es möglich Forschung währenddessen zu betreiben, z. B. eine medizinsche Doktorarbeit zu schreiben ?

Das kommt darauf an, wo sie den Doktor machen. Hier am Institut kann man den Dr. rer nat. und Dr. Ing. erhalten, neuerdings auch den PhD. Einen Fall mit einer gleichzeitigen Medizindoktorarbeit gab es bisher nicht. Üblicherweise ist der Master ein Vollzeitstudium. Jedoch kommt es im Einzelfall auf den Umfang der Doktorarbeit an.

Wie ist die Zusammensetzung der Studenten?

Sie ist sehr divers in verschiedenen Dimensionen: Die Hälfte kommt aus der Medizin, die andere aus der IT. Auch das Geschlechterverhältnis ist ähnlich verteilt. Die Herkunftsverhältnisse sind auch sehr ausgewogen. Etwa die Hälfte kommt aus Deutschland, die andere aus dem Ausland und von denen wiederum eine Hälfte aus der EU. Es handelt sich somit um eine sehr gemischte Kohorte, was es in der Zusammenarbeit sehr spannend macht, als Lehrender aber auch herausfordernd, sodass der Anspruchsgrad für alle passend ist.

Im 3. Semester steht das Digital Health Projekt auf dem Stundenplan. Worum handelt es sich dabei?

Das ist das Masterprojekt. Es läuft so ab, dass Themen vorgegeben werden, oft auch durch Externe, wie die Charité oder Philips. Diese werden ausgeschrieben und alle Studenten hier am Hasso-Plattner-Institut, egal ob von Cybersecurity, Informatik, Digital Health oder Data Engineering können sich auf die Projekte bewerben. Üblicherweise sind die Teams interdisziplinär. Jeder Lehrstuhl schreibt ein Masterprojekt aus. Wir haben 3 Lehrstühle in Digital Health und schreiben natürlich Themen aus, die einen Health Aspekt haben. Es kann aber auch sein, dass andere Lehrstühle ein Thema ausschreiben, dass für unsere Digital Health Studenten interessant ist. Das Projektzielt besteht darin, im Team für 6 Monate ein Thema zu bearbeiten, häufig etwas zu implementieren.. Man schreibt ein Projekt Bericht und präsentiert es entsprechend.

Welche Soft Skills werden im Studiengang gelehrt?

Hier nochmal der Hinweis darauf, dass der Digital Health drei Lehrstühle am Hasso-Plattner-Institut hat, es aber auch 17 andere Lehrstühle gibt. Studenten können viele Vorlesungen der anderen Lehrstühle besuchen und sich diese auch anrechnen lassen.

Unter anderm gibt es Profession Skills Veranstaltungen, die jeder Masterstudent belegt. Dabei geht es um die ganze Bandbreite von Professional Skills.

Wie sind die Berufsaussichten mit dem Master für Digital Health?

Würde ich gerne beanworten, aber morgen haben wir den ersten Absolventen. Dieser hat die Masterarbeit bei mir geschrieben und ich bin überzeugt, dass er alle Chancen der Welt hat. Ich habe aber noch keine Statistik..

Und was können Sie sich persönlich vorstellen?

Von der Ausbildung her, können sicher Einige am Institut bleiben und einen Doktor machen. Ein anderer Teil wird in die Industrie geben, wo wir verschieden Karriereziele sehen: Das kann im Consulting sein bei Gesundheitsorganisation, wo digitale Gesundheit so wichtig ist, dass man darüber Bescheid wissen muss, um Führungspositionen einzunehmen. Wir können uns auch gut vorstellen, dass sie in der Industrie oder selbstständig Apps oder digitale Gesundheitsprodukte entwickeln, die die Gesundheitsversorgung unterstützen oder im besten Fall revolutionieren.

Das Medizinstudium geht schon 6 Jahre, da fragt man sich ob man wirklich noch 2 Jahre länger studieren möchte. Es kann ja auch möglich sein, dass man als reiner Mediziner einen Arbeitsplatz in dem Digital Health Bereich findet. Was ist der Anreiz dennoch den Master in Digital Medicine zu machen?

Ich denke, dass man nach den 2 Jahren für das Team viel produktiver ist. Es ist nach wie vor so, dass Mediziner und Informatiker unterschiedliche Sprachen sprechen. Es dauert sehr lange bis man ein gemeinsames Verständnis entwickelt, wer möchte was und wir funktioniert das. Das führt manchmal dazu, dass Projekte einfach nicht funktionieren. Die Absolventen hier haben das Verständnis, was technisch möglich ist oder eben nicht. Gerade im heutigen Zeitalter, wo man so viel hört über KI, hat man vielleicht eine verzerrte Wahrnehmung davon, dass man denkt, man könnte damit alles machen. In unserem Masterprogramm arbeiten die Studenten mit KI Methoden und erfahren am eigenen Projekt, was geht und was geht nicht. Diese Erfahrung im eigenen Projekt gemacht zu haben, bringt einem später in interdisziplinären Teams einen starken Vorteil. Auch wenn man in den 2 Jahren nicht alles mathematisch bis ins kleinste Detail durchdrungen hat, weiß man, wie man es selber machen würde, welcher Aufwand es ist. Man versteht viel besser, wie man ein medizinisches Problem mit den technischen Möglichkeiten von heute lösen könnte und was unter Umständen nicht funktioniert.

Eine weitere wichtige Sache, die man hier mit bekommt: Das Hasso-Plattner-Institut ist schon historisch gesehen sehr benutzerorientiert. Dafür wurder der Begriff Design Thinking geprägt. Dabei setzt man sich schon zu Projektbeginn mit allen Stakeholdern zusammen und entwickelt schon ganz zu Anfang einen Prototypen des finalen Produkts und bespricht, was Sinn macht und was eher nicht. Das lernen die Studenten hier eben auch, da sie die Design Thinking Veranstaltungen besuchen, die hier allen zur Verfügung stehen und somit den benutzerzentrierten Ansatz eingeimpft bekommen, den ich gerade im digital Health Bereich sehr wichtig finde,da es sehr viele Anwendung gibt, die von Technikern erdacht wurden, aber beim Patienten oder im klinischen Alltag nicht funktionieren, da die Patienten oder Mediziner am Anfang nicht bei der Konzeption dabei waren. Diesen Ansatz versuchen wir unseren Studenten zu vermitteln, um am Ende Lösungen zu haben, die wirklich etwas bringen

Vielen Dank für das Gespräch.

Benedikt Kieslich

Benedikt ist Medizinstudent im 9. Semester in Göttingen und Gasthörer im Medizin-Ingenieurwesen. In seiner Doktorarbeit setzt er sich mithilfe des real-Time-MRTs mit den Auswirkungen von Orthesen auf das Sprunggelenk auseinander. E-Mail: Benedikt@medizin-von-morgen.de LinkedIN: https://www.linkedin.com/in/benedikt-kieslich

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